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Stundensatz als Hundetrainer:in richtig kalkulieren

Damit am Monatsende mehr übrig bleibt als ein gutes Gefühl

Hundetrainer-Coach Christin im Austausch mit einem Hundetrainer beim Seminar

Kennst du diesen Moment? Du sitzt vor deiner Preisliste, tippst 60 Euro für die Einzelstunde ein, schaust auf die Website der Hundeschule zwei Orte weiter und machst 45 daraus. Dann denkst du an deine Miete und tippst doch wieder 50. Am Ende steht da eine Zahl, die sich irgendwie vertretbar anfühlt, aber mit deiner tatsächlichen Situation nichts zu tun hat.

Ich kenne das gut. Als ich damals meine Hundeschule eröffnet habe, habe ich zuerst geschaut, was die Kolleg:innen im Umkreis verlangen, und mich dann vorsichtshalber etwas darunter einsortiert. Das fühlte sich bescheiden und fair an. In Wahrheit habe ich jahrelang Stunden verkauft, die mich mehr gekostet haben, als sie eingebracht haben. Nur gemerkt habe ich das erst, als ich es einmal wirklich durchgerechnet habe.

Genau diese Rechnung machen wir jetzt zusammen. Schritt für Schritt, mit echten Zahlen, ohne Schönfärberei.

Warum der Blick auf andere Preislisten dich nicht weiterbringt

Der Vergleich mit anderen Hundeschulen ist der häufigste Weg zur eigenen Preisliste und gleichzeitig der unzuverlässigste. Du siehst bei den anderen nämlich nur die Zahl, nicht die Geschichte dahinter. Du weißt nicht, ob die Trainerin nebenan von ihrem Training leben muss oder ob ihr Partner das Haupteinkommen verdient. Ob sie nebenberuflich trainiert, ob sie ihre Altersvorsorge eingerechnet hat oder ob sie schlicht genauso geraten hat wie du.

Wenn du dich an einer Zahl orientierst, die für ein völlig anderes Leben kalkuliert wurde (oder eben gar nicht kalkuliert), übernimmst du fremde Annahmen für deine eigene Existenz. Dein Stundensatz muss nur eine einzige Frage beantworten: Was brauchst du, damit du diesen Beruf dauerhaft, gesund und gut ausüben kannst?

Der Denkfehler, der fast alle Preise zu niedrig macht

Bevor wir rechnen, müssen wir über den größten Stolperstein sprechen: den Unterschied zwischen gearbeiteten und bezahlten Stunden.

Eine 40-Stunden-Woche bedeutet nicht 40 Trainingsstunden. Zu jedem Termin gehören Anfahrt, Vorbereitung und Nachbereitung. Dazu kommt alles, was dir niemand bezahlt:

  • Anfragen beantworten und Termine koordinieren
  • Trainingspläne schreiben und Stunden dokumentieren
  • Buchhaltung und Papierkram
  • deine eigene Fortbildung
  • Social Media und Website

Bei den meisten Trainer:innen ist höchstens die Hälfte der Arbeitszeit tatsächlich bezahlte Zeit, oft weniger. Und selbst diese Hälfte ist nicht voll planbar: Du wirst krank, du machst Urlaub, Kund:innen sagen ab, im Januar ist weniger los als im Mai. Wer seinen Preis auf 40 verkaufte Wochenstunden baut, kalkuliert ein Pensum, das es in der Realität nicht gibt. Dein Stundensatz muss deshalb von den Stunden ausgehen, die du wirklich verkaufst, nicht von denen, die du arbeitest.

Höchstens die Hälfte deiner Arbeitszeit ist bezahlte Zeit

Schritt für Schritt: So kalkulierst du deinen Stundensatz

Die Logik ist einfacher, als sie klingt. Wir rechnen rückwärts: vom Leben, das du finanzieren willst, bis zum Preis für eine einzelne Stunde.

Schritt 1: Dein Wunsch-Netto

Was brauchst du monatlich zum Leben? Miete, Essen, Auto, Hund, Rücklagen für die Waschmaschine, die irgendwann kaputtgeht. Sei ehrlich und rechne nicht künstlich klein. Ein Betrag, der dich dauerhaft knapp hält, führt nur dazu, dass du irgendwann frustriert aufgibst oder dich in Terminen vergräbst.

Schritt 2: Versicherungen, Vorsorge und Steuern

Als Selbstständige:r zahlst du Krankenversicherung komplett selbst, und niemand zahlt automatisch in deine Rente ein. Diese Posten kommen auf dein Wunsch-Netto obendrauf, genau wie die Einkommensteuer. Das Ergebnis ist der Gewinn, den dein Business monatlich abwerfen muss.

Schritt 3: Deine Betriebskosten

Alles, was dein Business kostet, bevor du selbst einen Euro siehst:

  • Fahrzeug und Fahrtkosten
  • Betriebshaftpflicht und Versicherungen
  • Software und Handy
  • Website und Marketing
  • Fortbildungen
  • Steuerberatung
  • vielleicht Platzmiete

Gewinn plus Betriebskosten ergibt den Umsatz, den du brauchst.

Schritt 4: Deine wirklich verkaufbaren Stunden

Zähle nüchtern: Wie viele bezahlte Trainingsstunden schaffst du pro Woche, wenn Fahrtzeiten, Orga und Vorbereitung abgezogen sind? Und wie viele Wochen im Jahr arbeitest du, wenn Urlaub, Krankheit und Feiertage rausfallen? Aus beidem ergibt sich deine realistische Stundenzahl pro Monat.

Schritt 5: Teilen

Benötigter Umsatz geteilt durch verkaufbare Stunden: Das ist dein realer Stundensatz und reine Mathematik.

Eine Beispielrechnung

Rechnen wir das einmal für eine Vollzeit-Trainerin durch. Deine Zahlen werden andere sein, aber der Weg bleibt gleich.

Wunsch-Netto zum Leben2.200 €
Krankenversicherung + Altersvorsorge750 €
Einkommensteuer (überschlägig)550 €
Benötigter Gewinn3.500 €
Betriebskosten (Auto, Versicherung, Software, Marketing, Fortbildung)700 €
Benötigter Umsatz4.200 €

Jetzt die Stunden: Unsere Trainerin plant 15 bezahlte Trainingsstunden pro Woche. Das klingt wenig, ist aber bei Einzeltraining mit Anfahrt bereits ordentlich gefüllt. Bei 46 Arbeitswochen im Jahr (6 Wochen für Urlaub, Krankheit und Feiertage sind knapp bemessen) landet sie bei rund 60 bezahlten Stunden im Monat.

4.200 € geteilt durch 60 Stunden ergibt 70 € pro Einzelstunde

Lies die Zahl ruhig zweimal. 70 Euro, damit am Ende 2.200 Euro netto übrig bleiben. Kein Luxus, keine Fantasie, sondern das Minimum für ein normales Leben mit Absicherung. Wer 45 Euro nimmt und davon leben will, müsste im selben Modell über 90 Stunden im Monat verkaufen, Monat für Monat, ohne Flaute. Das hält niemand lange durch.

Und die Gruppenstunden?

Für Gruppen gilt dieselbe Logik, nur verteilt auf mehrere Teilnehmer:innen. Wenn deine Trainingsstunde 70 € wert ist, eine Gruppenstunde aber mehr Vorbereitung und Orga braucht, darf die Gruppe insgesamt auch mehr einbringen, zum Beispiel 6 Teilnehmer:innen à 15 € für 90 €. Wichtig ist, dass du auch hier die unbezahlte Zeit einrechnest: Kursplanung, Teilnehmerverwaltung und die Kommunikation zwischen den Terminen gehören zur Stunde dazu.

Das zahlt doch niemand bei mir?

Hundetrainer-Coach Christin bespricht Notizen mit einer Teilnehmerin im Coaching

Wenn sich dein errechneter Preis gerade zu hoch anfühlt, bist du in guter Gesellschaft. Fast alle Trainer:innen, mit denen ich arbeite, kennen diesen Impuls, und dahinter stecken selten die Kund:innen, sondern meistens die eigenen Selbstzweifel.

Dabei hilft ein Perspektivwechsel: Deine Kund:innen bezahlen nicht 60 Minuten auf der Wiese. Sie bezahlen deine Ausbildung, deine Vorbereitung, deinen Blick, der in Sekunden erkennt, was zwischen Mensch und Hund gerade passiert. Ein zu niedriger Preis macht dein Training übrigens nicht kundenfreundlicher. Er führt dazu, dass du zu viele Termine annimmst, müde in Stunden gehst und irgendwann genau die Qualität nicht mehr liefern kannst, für die deine Kund:innen kommen. Falls dir das bekannt vorkommt, hilft dir auch mein Artikel über das Grenzen setzen als Hundetrainer:in weiter.

Du darfst deinen Preis übrigens schrittweise anheben. Für Neukund:innen gilt der kalkulierte Satz sofort, Bestandskund:innen bekommen eine faire Ankündigung mit Vorlauf. Erfahrungsgemäß bleiben deutlich mehr Menschen, als die Sorge im Kopf vorhersagt.

Fazit: Dein Preis ist eine Rechnung, keine Mutfrage

Ein tragfähiger Stundensatz entsteht nicht aus dem Vergleich mit der Hundeschule nebenan, sondern aus deinen eigenen Zahlen: Wunsch-Netto, Absicherung, Steuern, Betriebskosten, geteilt durch die Stunden, die du wirklich verkaufst. Diese Rechnung dauert einen Nachmittag und verändert oft die komplette Ausrichtung eines Trainer:innen-Business.

Wenn du beim Durchrechnen merkst, dass du dabei Unterstützung möchtest, oder wenn deine Zahlen ein Ergebnis zeigen, das dich erstmal schlucken lässt: Dann lohnt sich ein zweiter Blick zu zweit.

Christin Götzen, Dein Hundetrainer Coach, am Flipchart

Hi, ich bin Christin

Coach für Hundetrainer:innen

Seit 2007 bin ich im Hundetraining zu Hause, von der eigenen Hundeschule bis zur Ausbildung von Trainer:innen. Denn dein Beruf ist mein Beruf.

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