Warum mein Gruppentraining früher oft chaotisch war
Vielleicht kennst du ihn auch, diesen ganz typischen Moment aus dem Gruppentraining:
Alle trudeln ein. Leinen werden sortiert, Leckerli-Taschen gesucht, jemand erzählt noch schnell, was letzte Woche gar nicht funktioniert hat – und währenddessen denke ich innerlich schon: Okay, wir müssten jetzt eigentlich anfangen …
Dann geht’s los. Ich erkläre die erste Übung. Warum wir sie machen. Worauf es ankommt.
Und irgendwo zwischen meinem dritten Satz sehe ich:
Hund Nr. 1 kaut vor Langeweile am Schuh seiner Halterin.
Hund Nr. 2 und 3 versuchen, den Meter Abstand zwischen sich zu überwinden – und ihre Menschen reagieren… gar nicht.
Noch während ich erkläre, schaut mich die erste Halter:in an und fragt: „Aber was mache ich, wenn mein Hund das zu Hause gar nicht zeigt?“
Also steige ich aus der eigentlichen Erklärung aus. Erkläre für alle, wie man Ablenkung sinnvoll aufbaut. Wann. Wie. Warum.
Und stelle dann plötzlich mit Erschrecken fest, dass die Zeit schon seit 20 Minuten läuft und noch kein einziges Team wirklich mit der Übung begonnen hat.
Ich laufe also von Team zu Team.
Bleibe bei Halter:in Nr. 2 länger hängen, weil sie mit der Aufgabe gar nicht zurechtkommt. Will helfen – will, dass sie etwas mitnimmt.
Dabei übersehe ich, dass Halter:in Nr. 4 längst etwas völlig anderes macht als das, was eigentlich dran wäre. Also eile ich weiter.
Doch statt zur Übung spricht sie ein ganz anderes Thema mit ihrem Hund an. Eines, das mit diesem Gruppenkurs eigentlich nichts zu tun hat.
Ich höre zu. Natürlich. Ich will ja niemanden stehen lassen.
Was mir dabei entgeht: Halter:in Nr. 5 ist gelangweilt, weil sie die Übung bereits kennt. Stattdessen beschäftigt sie sich selber und fragt lustige Tricks bei ihrem Hund ab.
Mittendrin stehe ich und bin Trainerin, Managerin, Seelentrösterin und Erklärbär in einer Person.
Dabei habe ich bisher nur einen Bruchteil dessen vermittelt, was ich mir für diese Stunde eigentlich vorgenommen hatte.
Nach dem Training war ich oft erschöpft. Und selbst abends auf dem Sofa kam ich nicht wirklich runter.
Mein Kopf war immer noch auf dem Hundeplatz und fragte sich: Was läuft hier eigentlich schief?
Was ich damals gemacht habe – und was viele Trainer:innen heute noch tun: Ich habe meine eigene Kompetenz infrage gestellt.
Nicht meine Struktur.
Nicht meinen Ablauf.
Sondern mich.
Ich dachte, ich müsste noch mehr wissen. Noch besser erklären. Noch mehr auffangen.
Rückblickend weiß ich: Das Problem war nicht mein Wissen.
Was mir gefehlt hat, war etwas ganz anderes: Ein Rahmen für mein Gruppentraining, der mich entlastet und gleichzeitig den Teams Orientierung gibt.
Gruppentraining ist kein „Einzeltraining mit mehr Menschen“
Das klingt banal, macht aber einen riesigen Unterschied.
Denn im Einzeltraining kannst du dich voll und ganz auf das Mensch-Hund-Team und seine Bedürfnisse einstellen.
Im Gruppentraining nicht.
Da treffen unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und Trainingsstände aufeinander, verschiedene Erwartungen und auch Unsicherheiten. Menschen, die nicht richtig ausgerüstet sind oder die Hausaufgaben nicht geübt haben. Hunde, die in der Gruppe sehr aufgeregt sind oder sich gegenseitig ablenken.
Und dazwischen stehst du, willst den Überblick behalten, niemanden über- oder unterfordern und gleichzeitig alle geplanten Übungen unterbringen. Wenn jetzt die stabile Struktur fehlt, entsteht Chaos – selbst dann, wenn du fachlich richtig gut bist.
Was ich heute im Gruppentraining konkret anders mache
- Ich beginne jede Stunde mit System
Früher war mein Start oft so: Alle kommen an und wuseln durcheinander. Die Hunde ziehen angeleint zueinander, während die Menschen hinterher dackeln. Ich lasse mich in Gespräche verwickeln und mit einigen Minuten Verspätung sage ich: „So, dann fangen wir mal an…“
Heute ist der Start immer gleich aufgebaut, egal welches Thema dran ist.
- Begrüßung (kurz und gleichzeitig persönlich)
- Feste Plätze zuweisen: Jedes Team an eine Markierung (z.B. Pylone)
- Ziel der Stunde in einem Satz
- Ersten Trainingsschritt für alle erklären – danach:
- Start in die praktische Übung
- Ich plane ein Lernziel pro Stunde ein
Ein typischer Gedanke von mir war damals: „Damit die Halter:innen zufrieden sind, will ich möglichst viel Input und Übungen mitgeben.“ Dabei ist einer der größten Stressfaktoren im Gruppentraining die thematische Überfrachtung.
Meine klare Praxis-Regel für heute ist:
- Ein Lernziel pro Stunde. Punkt.
Das fühlte sich am Anfang ungewohnt an – machte aber einen riesigen Unterschied für meinen Fokus. Und damit auch für den Fortschritt meiner Mensch-Hund-Teams.
- Ich überlasse Pausen und Stationswechsel nicht dem Zufall
Viele chaotische Momente entstehen nicht in der Übung selbst, sondern dazwischen: Wenn gerade eigentlich Pause ist und die Halter:innen sie für einen Kontakt zwischen den Hunden nutzen. Oder wenn von der einen zur anderen Übungsstation gewechselt wird und alle quer über den Platz laufen. Oder wenn Zwei sich unterhalten und nicht bemerken, dass ihre Hunde gerade Quatsch veranstalten.
Irgendwann stellte ich mir die Frage: Was sollen die Teams denn stattdessen tun?
Meine Antworten darauf waren simpel und reduzierten das Chaos in meinen Kursen sofort:
- Zugewiesene Position, an denen Pausen und Wechsel stattfinden
- Pausenbeschäftigung vorgeben (Kekse suchen lassen, spazieren gehen, etc.)
- Freundliche, klare Ansagen, z.B. „Bleibt bitte noch stehen, ich gebe euch Bescheid wann ihr zur nächsten Station wechselt“
- Ich greife aktiv ins Geschehen ein
Damals dachte ich, es sei unhöflich, die Gruppe während der Übungen zu unterbrechen oder ein einzelnes Mensch-Hund-Team auszubremsen. Dabei führte das nur dazu, dass der Unterricht auf meine Halter:innen oft unstrukturiert wirkte – und das leider zurecht.
Heute leite ich Mensch-Hund-Teams direkt an und spreche die Dinge laut aus, die gerade pädagogisch notwendig sind:
- „Ich unterbreche an dieser Stelle kurz, weil…“
- „Ich greife hier ein, damit…“
- „Ich lasse das jetzt bewusst laufen, beobachte bitte…“
- Ich reflektiere direkt statt abends zu grübeln
Anstatt abends im Kopfkino zu sitzen, gewöhnte ich mir unmittelbar nach der Kursstunde eine schnelle Nachbearbeitung an – und wenn es nur kurz und stichwortartig war.
Diese sofortige Dokumentation meiner Eindrücke konnte ich mir später einen Überblick verschaffen:
- Was lief in dieser Stunde gut?
- Wo wurde es unruhig?
- Was hätte mehr Ablauf meinerseits gebraucht? (Start, Pausen, Führung, …)
Dadurch wurde ich mir erstmal bewusst, an welchen Stellen mein Gruppentraining wirklich noch nicht rund lief und wo ich mich bereits entspannt zurücklehnen konnte.
Chaos bedeutet nicht, dass du ungeeignet bist
Wenn du beim Lesen an konkrete Situationen aus deinem Gruppentraining gedacht hast, dann heißt das nicht, dass du keine gute Trainer:in bist.
Es heißt fast immer, dass deine Gruppenkurse einen stabileren Ablauf brauchen.
Die gute Nachricht ist: Du musst diesen Ablauf nicht alleine erfinden.
In meinem Coaching unterstütze ich Hundetrainer:innen wie dich dabei,
- Gruppentrainings klar zu strukturieren
- Fortschritte sichtbar zu machen
- und Sicherheit in der eigenen Rolle zu gewinnen
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